Die Vereinbarung

Tausende Winterkreisläufe später …

Kurze helle Töne vermischten sich mit dem Säuseln des Windes. Ellarianas Schwert zerschnitt einmal mehr mit einem Sirren die Luft. Die Spitzen trafen sich erneut und Metall kreischte auf, als die gekreuzten Klingen abglitten.
Die Elbin sprang zur Seite und nahm ihre Verteidi gungsstellung ein. Dabei streckte sie die Arme nach unten, sodass sich der Schwertgriff in Höhe ihres Unterkörpers befand und die Spitze Richtung Oberkopf zeigte.
»Corika, vergiss deine Deckung nicht!«
Corikas Stirn glänzte nass. Schwer atmend und mit zusammengebissenen Zähnen wich die Kerdrarenkriegerin zurück und senkte die Waffe. »Rast!«
»Wir sind noch nicht fertig. Die Sonne ist weniger als eine Armbreite nach Westen gewandert«, widersprach Ellariana.
»Es fühlt sich länger an. Lass mich wenigstens einen Schluck Wasser trinken.«
»Ein feindlicher Gegner wird dir auch kein Atemholen zugestehen. Heb dein Schwert!«
»Ich bin noch immer der Meinung, dass das Üben mit dem Schwert unnötig ist.« Brummend ging Corika zur Platzmitte zurück, dabei schlurften ihre Füße über den Boden, sodass der Staub aufwirbelte.
»Wenn es zu einem Kampf kommt, wird dein Können dich vor dem Lichtpfad bewahren.«
»Mein Großvater war ein Anwärter, als die letzte Schlacht wegen eines Ehrenkodexverstoßes ausgefochten wurde«, erwiderte Corika.
»Wir können über den Grund während des Mahls sprechen.« Auffordernd bewegte Ellariana das Kinn nach oben. »Versuchen wir es einmal mit der Augenbinde.«
Corikas Körperspannung veränderte sich, als die Elbin die linke Hand unterhalb der Waffenhand um den Griff legte. Die Kriegerin schob sich das Halstuch über die Augen und knotete es am Hinterkopf fest. Sie war bereit.
»Konzentriere dich auf die Geräusche.«
Corika spürte Ellarianas Blick auf sich liegen, trotzdem versuchte sie, die innere Ruhe zu erlangen. Die Bewegung des Brustkorbes verlangsamte sich. Ihre Lippen öffneten sich einen Spalt und der Atem strömte lautlos aus dem Mund. Einzig die weiterhin zu fest aufeinandergepressten Lider verrieten, dass sie die benötigte Gelassenheit nicht erreicht hatte. Ellariana setzte behutsam einen Fuß neben den anderen. Als sie den vierten Schritt ausgeführt hatte, bewegte sich Corikas Gesicht in ihre Richtung. Ein wissen des Lächeln zeichnete sich auf ihrem Mund ab. Sie hob das Schwert, sodass die Spitze auf Ellarianas Brust zeigte.
Der Angriff kam schnell. Die Klingen trafen in der Mitte aufeinander. Auch wenn das Tuch Corika die Sicht raubte, wehrte sie die immer stürmischer werden den Schwerthiebe ab. Links, rechts. Die Kriegerin sprang hoch. Wo noch einen Atemzug zuvor ihre Beine gestanden hatten, zerteilte Ellarianas Schwert die Luft. Das Rascheln des Lederhemdes und das Zischen der Schneide halfen Corika, die Schwertstreiche zu erahnen.
Plötzlich knirschte es hinter ihr. Corika sprang nach vorne und rollte sich über die Schulter ab. Sie stand wie der auf den Füßen, bevor sie den dritten Atemzug ausgeführt hatte. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals und das Blut rauschte in ihren Ohren. Sofort hörte sie in den Gedanken Ellarianas mahnende Worte, dass sie während eines Kampfes die innere Ruhe bewahren musste.
Die nächsten Atemzüge hoben ihren Unterbauch. Danach spannte sie alle Muskeln an, sodass ein leichtes Ziehen durch den Körper floss. Schweißtropfen perlten von ihrem blonden Haaransatz über den Nasenrücken und die Wangen hinab. Sie musste nicht mit den Fingerspitzen über das glühende Gesicht wischen, um zu wissen, dass der Staub der Felsen sich mit dem Schweiß vermengt hatte. Augenblicklich glitten ihre Gedanken zu der Quelle, die sie nach dem Übungskampf aufsuchen würde.
Ein Surren erklang neben ihr. Noch bevor die Klinge den geschützten Arm traf, ahnte Corika, dass sie einen fatalen Fehler begangen hatte. Es war ihr nicht mehr möglich, Ellarianas Schlag auszuweichen. Das Schwertblatt prallte mit voller Wucht auf den Oberarm und das harte Leder knirschte. Trotz der scharfen Klinge hielt es stand. Zwar erlitt sie keine offene Fleischwunde, aber die Waffenhand fühlte sich von einem Augenblick zum nächsten taub an. Das Klirren des auf dem Felsboden aufkommenden Schwertes vermischte sich mit ihrem Schmerzensschrei. Erschöpft zog sie die Augenbinde hinunter, allerdings verschleierten Tränen ihren Blick. Wimmernd fiel Corika auf die Knie und rieb sich mit der linken Hand über den pochenden Arm.
»Wenn ich ein Ork gewesen wäre, würde deine Mutter jetzt viele Mondzyklen trauern, weil die Seele ihrer einzigen Tochter gerade ins Licht gegangen ist«, raunte Ellariana ihr ins Ohr.
Corika blinzelte die Tränen weg. »Ich habe fast alle Angriffe abgeblockt!«
»Fast.« Um der jungen Kriegerin nicht ihre Enttäuschung zu zeigen, ging Ellariana an ihr vorbei. Mit dem Schwert in der Hand schlenderte sie zu der Felskante am Ende des Übungsplatzes. Der Wind erfasste einige der silbergrauen Haarsträhnen. Tief durchatmend streckte die Elbin ihr Gesicht der Sonne entgegen und genoss den kühlen Lufthauch. Mit einem Mal schlug ihr Herz schmerzlich gegen die Brust. Das Schwert entglitt ihrer Hand. »Ellariana!«, hörte sie Crius’ fassungslose Stimme in ihrem Kopf. Bilder eines Massakers überschwemmten ihre Gedanken und zwangen sie auf die Knie. Keuchend lehnte sich Ellariana nach vorne und ertrug die Erinnerungen ihres Reittieres. Noch nie hatte Crius durch ihre Gedankenverbindung seine Empfindungen oder Erlebnisse mit ihr geteilt. »Wo bist du?«, fragte Ellariana.
»Nordwestlich von Iathas.«
»Wie konnte das geschehen?«
»Ich weiß es nicht! Ich war auf der Jagd, als mir der Geruch von Blut in die Nase stieg.«
»Waren es Pantheras?«

Stille breitete sich aus. Die verstörenden Bilder verrauchten vor Ellarianas Augen. Felsstaub stob durch die kräftigen Bewegungen von Crius’ Schwingen auf. Aus diesem Grund konnte sie auch nicht erkennen, ob die wilden Raubkatzen, die von den Kerdraren gezähmt als Reittiere verwendet wurden, das Blutbad verursacht hatten. Stattdessen sah sie Crius’ hellbraune Vorderpranken. Der Schatten des mächtigen Löwen färbte das hellgraue Gestein unter ihm dunkler.
»Nein. Tierische Jäger hätten das Fleisch gefressen.«
»Wann bist du zurück?«
»Vor Sonnenaufgang.«
Das Herz schlug Ellariana weiterhin bis zum Hals, obwohl sie die Gedankenverbindung mit Crius gelöst hatte. Flach ein- und ausatmend raffte sie sich mit zitternden Knien auf. Unerwartet spürte sie Corikas festen Griff um den Ellbogen. Ihr Mienenspiel verriet die Sorge, die bereits in Ellarianas Magen wie ein Sturm wütete. »Was hast du erfahren?«
»Ich muss sofort zu Kherdru«, murmelte Ellariana und blickte zum Stammesfürstengebäude hinauf.
»Als du mir das letzte Mal etwas verheimlicht hast, wurde ein Dorf unter einem Felsrutsch begraben.«
»Auch dieses Mal werden viele klagende Laute erklingen.« Ellarianas Fingerspitze wischte eine Träne aus Corikas Augenwinkel. »Übe bis zu unserer Rückkehr in jedem freien Schattenzyklus mit dem Schwert.«

Ellarianas feste Schritte auf dem Steinboden hallten von den Wänden wider. »Ist der Stammesfürst im Ratssaal?«, rief sie dem Wächter vom Ende des Ganges entgegen.
»Die Ältesten besprechen sich gerade.«
»Es ist wichtig.«
»Hochgeborene, Kherdru hat ausdrücklich gesagt, dass er nicht gestört werden will, solange er mit den Ältesten spricht«, erklärte der Wächter und stellte sich ihr kopfschüttelnd in den Weg.
»Tritt zur Seite!« Um dem Kerdraren zu zeigen, dass sie, falls erforderlich, Magie weben würde, drehte sie die Handfläche in Richtung seines Brustkorbes. Die Bewegung reichte als Drohung aus, denn der Wächter wandte sich um und riss die Tür auf, ohne vorher anzuklopfen. Kurz vernahm Ellariana aufgeregte Gesprächsfetzen, die aber durch das Knarren der Tür sofort verstummten.
»Liren, ich sagte doch …« Die restlichen Worte verklangen in Kherdrus geräuschvollem Keuchen. Der Stammesfürst sprang auf, wodurch die Gläser auf dem Ratstisch bedrohlich wackelten. Krachend schlug die hölzerne Stuhllehne auf dem Boden auf. Kherdrus unbeschwerter Gesichtsausdruck versteinerte innerhalb eines Wimpernschlages. Seine wiesengrünen Augen waren auf Ellariana gerichtet. Seufzend stützte er sich mit den Händen auf dem Tisch ab. »Liren, begleite die Ältesten hinaus.«
Weil diese keine Anstalten machten, sich zu erheben, führte der Stammesfürst eine wegwischende Handbewegung in Richtung Tür aus. Aufgeregtes Murmeln setzte ein. Erst als Kherdrus Augenbrauen sich über der Nase beinahe berührten und tiefe Falten seine Stirn zerfurchten, erhob sich einer nach dem anderen.
Ungeduldig wartete Kherdru, bis der Wächter die Tür hinter sich geschlossen hatte. »Was ist geschehen?«
»Crius fand ein Dorf, dessen Bewohner niedergemetzelt wurden.«
»Das kann nicht sein!«, widersprach Kherdru. »Die Völker in den angrenzenden Ländern leben seit vielen Winterkreisläufen friedlich nebeneinander.«
»Ich sah Crius’ Erinnerungen.«
Wutschnaubend stieß sich Kherdru von der Tisch kante ab und ging zu den Fenstern an der Rückseite des Ratssaals. Zögerlich folgte Ellariana ihm und stellte sich neben den Stammesfürsten. Schweigend betrachtete sie die untergehende Sonne. Die matten Lichtstreifen berührten Kherdrus schwarzes Haar, wodurch einige Strähnen grünlich schimmerten.
»Es war ein von Kerdraren bewohntes Dorf?«
»Ja, Crius’ Jagdgebiet liegt nördlich von Iathas.«
Ein Laut, ähnlich einem Donnerschlag, zerriss die Stille und Ellariana zog reflexhaft das Schwert bis zur Hälfte aus der Scheide. Als sie Kherdrus Faust auf dem Fensterrahmen entdeckte, fiel die Anspannung von ihr ab.
»Wenn dein Reittier zurück ist, brechen wir auf«, entschied der Stammesfürst und rieb sich die schmerzende Hand an seinem sandbraunen Gehrock.
»Wie viele Krieger begleiten uns?«
»Alle, die sich in Iathas aufhalten.« Ellariana nickte. »Ich werde sie darüber informieren.«
Schwer ausatmend drehte Kherdru sein Gesicht wieder dem Fenster zu und signalisierte der Elbin damit, dass es nichts mehr zu sagen gab.

Das blaue Aufblitzen hob sich von dem grünen Blätterdach ab. Als ob der Singvogel Ellariana die Schönheit der Landschaft und der darin lebenden Geschöpfe aufzeigen wollte, flog er von einem Sonnenstrahl zum nächsten. Das Federkleid funkelte wie Mondschein auf einem ruhenden Gewässer.
»Ist dir aufgefallen, dass unser gefiederter Freund uns folgt?«
Ellariana zuckte zusammen. »Was?«
»Der Singvogel. Er wartet auf uns. Sieh!« Kherdru streckte den Zeigefinger in Richtung eines Zweiges. »Womöglich fand eine verlorene Seele in diesem Geschöpf Zuflucht.«
Nachdenklich beobachtete die Elbin den Vogel. Er richtete sich auf und spreizte die Flügel. Der weiße Schnabel öffnete sich und zugleich erklang eine liebliche Melodie, die Ellariana einen Schauer über den Rücken jagte. »Es kann nicht mehr weit sein. Ich werde mit Crius über das Dorf hinwegfliegen. Die Angreifer könnten sich noch in der Nähe aufhalten.«
Crius beschleunigte ohne ihr Zutun seinen Lauf. Das Knistern von den Bewegungen der Schwingen übertönte das Gezwitscher. Mit einem Sprung erhob er sich in die Luft. Erst als sich die Baumkronen unter ihm in alle Himmelsrichtungen ausstreckten, verlangsamte er die Flügelschläge. »Dort, wo der Wald aufhört, liegt es.«
»Lass uns die Gegend absuchen. Womöglich …«
»Wer immer es getan hat, sie sind weg. Als ich das Dorf gefunden habe, war die Witterung bereits schwach.«
»Führt der Waldweg zur Siedlung?«
Ellariana neigte sich nach vorn und suchte den Pfad.
»Ich denke schon.«
»Wir warten dort auf den Stammesfürsten.«

Crius landete auf dem niedergestampften Gras. Für einige Atemzüge saß Ellariana wie betäubt auf seinem Rücken. Langsam bewegte sich die Hand zum Schwertgriff. Ihre Augen füllten sich vor Entsetzen mit Tränen. Mit hängenden Schultern blickte sie von links nach rechts. Die Luft hatte den Gestank von Blut, Verwesung, Erbrochenem, Kot und Urin angenommen. An einigen Stellen war das frische Grün des kniehohen Grases von einem dunklen Rot und Braun verhüllt. Ellarianas Magen zog sich zusammen und sie rutschte würgend von Crius’ Rücken. Die Bewegung reichte aus, damit der Spuckreiz einsetzte. Auf den Knien spie Ellariana das wenige aus, das sie gegessen hatte. Sie schloss die Augen. Die Bilder verschwanden nicht. Mit dem Unterarm wischte sie den sauren Speichel aus den Mundwinkeln.
»Soll ich dich begleiten?«
Anstatt zu antworten, schüttelte die Elbin den Kopf und schritt mit gezogenem Schwert auf das Dorf zu. Ihre Augen streiften umher. Sie wollte jeden Entseelten sehen, um ihm damit die Ehre zu erweisen, unvergessen zu bleiben.
Obwohl es nur eine kurze Strecke war, kam es Ellariana so vor, dass sie niemals zuvor in ihrem langen Leben einen so erschöpfenden Weg gegangen war. Enthauptete Kerdraren lagen im Feld verstreut, noch immer die Landwirtschaftsgeräte festhaltend, mit denen sie sich gegen die Eindringlinge gewehrt hatten. Köpfe, auf Stöcken aufgespießt, säumten den Weg.
Bevor sie ins erste Haus trat, blieb die Elbin stehen und sah den Pfad zum Wald zurück. Anstelle der Kerdraren näherte sich ein blaues Schimmern dem Dorf. Das schwermütige Zwitschern erinnerte an Wehklagen, das für viele Sonnenwanderungen die Stille in der Fürstenstadt Iathas ausfüllen würde. Der Vogel landete auf dem Brunnen und blickte zu Ellariana hinüber. Eine liebliche Melodie perlte aus seinem Schnabel, die ihr ein wenig Trost zusprach. Dankbar nickte sie und verschwand in den dunklen Gang.
Die meisten Türen waren aus den Angeln gerissen. Blutige Fingerabdrücke auf den sandfarbigen Wänden verschmiert. Körperteile inmitten der eingetrockneten Blutlachen offenbarten Ellariana, mit welcher Brutalität der Angriff ausgeführt worden war.
Die Luft stank nach Exkrementen. Mit aller Kraft bekämpfte sie das Verlangen, aus dem Haus zu stürzen. Das Pochen in der Brust hatte den Kopf erreicht. Tränen in den Augen verschleierten Ellarianas Sicht, ihre Hand zitterte, als sie die zerbrochene Tür zur Seite schob. Zuerst dachte sie an ein Trugbild, von dem sie heimgesucht wurde.
Die Schwertspitze kratzte über den Holzboden, als Ellariana näher an die Schlafstelle ging. Eine Elbenfrau kniete entkleidet davor. Ihr entstellter Oberkörper lag auf der Matratze. Die Position des Unterkörpers sowie die Verletzungen ließen keinen Zweifel offen, dass die Eindringlinge die Elbin geschändet hatten, bevor sie ihr das Genick brachen.
Eine Erhöhung unter der Felldecke weckte Ellarianas Aufmerksamkeit. Obwohl sich darunter nichts bewegte, hoffte sie, dass jemand diese Freveltat überlebt hatte. Behutsam zog sie das Fell zurück. Ihr Schrei verdrängte die Stille. Sie stolperte aus dem Haus. Die Bilder des Mädchens und des Jungen, die auf dieselbe Art und Weise wie die Mutter aus dem Leben gerissen worden waren, brannten sich in ihrem Gedächtnis ein.
Die rechte Hand gegen die Hauswand gestützt, erlag Ellariana erneut einem Würgereiz. Der saure Geschmack verband sich mit dem Gestank, der das Dorf ausfüllte. Sie blickte sich um. Sieben weitere Häuser warteten auf sie. Die Elbin wusste, jedes davon würde unvergesslich bleiben und, bis die Gewalttat vergolten war, ihre Träume begleiten.

»Ellariana?«
Die sachte Berührung an der Schulter schreckte sie auf und sie blickte mit von Tränen gefluteten Augen Kherdru ins Gesicht. Die Lippen des Stammesfürsten bebten, sein Atem kam stoßweise ‒ rasselnd. »Überlebende?«
Sie schüttelte kraftlos den Kopf.
»Raubtiere?«
Erneut verneinte sie mit einer erbitterten Kopfbewegung.
»Gibt es ein Anzeichen, welches Volk den Ehrenkodex gebrochen hat?«
»Die Verletzungen sind nicht von Schwertern. Es könnten Äxte oder Lanzen gewesen sein.« Ellarianas Kopf drehte sich zu einem entseelten Körper, der von zwei Kerdrarenkriegern fortgetragen wurde.
Knurrend setzte sich Kherdru neben sie auf den Brunnenrand und legte ihr tröstend die Hand auf die Schulter. »Sie können nicht weit sein.«
Zustimmend nickte die Elbin. »Der Ehrenkodex erlaubt mir, die Blutrache einzufordern.«
»Ich führe die Truppe an«, schwor Ellariana.
»Ein Bote wird sich noch in diesem Schattenzyklus auf den Weg zum Elbenkönig machen.«
Ellariana schnaubte. »Bis die Garde hier ist, haben sie womöglich die Grenze übertreten.«
»Das Gebirge ist für Unkundige unwegsam und durch den Kodexbruch dürfen wir auch außerhalb unseres Landes die Vergeltung einfordern.« Kherdru streckte den Arm aus. Die Muskeln in beiden Gesichtern gefroren, als Ellarianas Finger seinen Unterarm umfassten und sie dadurch die Vereinbarung besiegelten.